Jahr 2001

2001

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Plakat | Texte | Predigt

 

Plakat

Bild: Plakat "Gottesdienst in der Christnacht"

Plakatmotiv 2001

 

Texte

Nachts, bei sternenklarem Himmel, blicken viele Menschen nach oben
in der wagen Hoffnung, eine Sternenschnuppe zu sehen.
Im August und im September ist mit den meisten zu rechnen.
Bei ihrem Anblick, hört man, dürfe man sich etwas wünschen,
es aber niemanden erzählen, weil es sonst nicht in Erfüllung ginge.
Es ist der kindliche Wunsch, dass – den Realitäten zum Trotz – sich dahinter anderes verbergen
Und gegen den Augenschein Gestalt gewinnen könnte.

Wie ein Stern vom Himmel ...
Weihnachten. Die Sternstunde der Menschheit?
Die Geschichte der Bibel aus dem Buch des Lukas, der Bericht von einer Hoffnung für die Welt.
Die hat sie nötig. Nicht erst seit dem 11. September.

Tiefgründige Erfahrungen und schmerzliche Niederlagen, kritische Momente
oder glückliche Ereignisse, tausende von Bildern und unterschiedlichste Menschen:
vieles stellt sich im Leben ein, manches ganz plötzlich.
Pläne am Morgen sind am Abend überholt. Täglich, stündlich macht sich Verblüffung breit.
Nicht wenige fragen: Was sagen die Sterne ? Wo ist mein Glücksstern geblieben ?
Muss ich tatsächlich erst alle Sterne am Himmel zählen ?
Warum nicht nach den Sternen greifen ?

Vielleicht ist in diesem Jahr die Weihnachtszeit anders als sonst:
Gedämpfter, getragener, bescheidener – ursprünglicher ?
Schreiben Sie uns Ihre Bitten, Hoffnungen und Gebete:
Sie werden Teil des Gottesdienstes.

Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Pfarrer Wolfgang H. Weinrich
Stichwort „Heilig Abend in Hergershausen 2001“
Paulusplatz 1 64285 Darmstadt

Oder:
W.H.Weinrich@t-online.de

Die evangelische Dorfkirche in Hergershausen ist der Ort für den Heiligen Abend:
Mit warmer, bergender Atmosphäre, klassischer und bluesiger Musik,
guten und froh machenden Worten, mit Sternblumen ...

 

Predigt

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Vertrauende, Zweifelnde, Sehnsüchtige an Weihnachten 2001, dem Fest der Liebe und des Friedens, was soll ich sagen über den Zustand der Welt, was wir nicht schon aus den Nachrichten bis in diesen Gottesdienst hinein. wüssten?

Lasst uns stattdessen auf die alte Geschichte hören, ohne die kein Weihnachten wäre.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Quirinius Landpfleger in Syrien war....

So beginnt in der Übersetzung Martin Luthers die Geschichte von der Geburt Jesu Christi, wie Lukas sie erzählt, in der er das Unbeschreibliche zu beschreiben versucht.
Wir Älteren kennen diesen Text fast auswendig. Ist uns aber klar, dass dieser Bericht mit seinen vertrauten Gestalten – Maria und Josef, den Engeln und den Hirten – mit dem Namen eines römischen Kaisers und eines seiner Besatzungsbeamten beginnt - und mit einer Verordnung zur Volkszählung zu dem Zwecke der einfacheren Steuereintreibung?
Sie beginnt also mit höchst weltlichen Geschäften.

Der Sohn der Maria, kommt also nicht in irgendeine Traumwelt als weltenthobener Heiliger, so märchenhaft uns aufgeklärten Zeitgenossen diese Geschichte im ganzen auch erscheinen mag.

Sondern Jesus wird in unsere Wirklichkeit hineingeboren. Die Namen der damaligen Machthaber weisen unüberhörbar darauf hin. Seine Geschichte beginnt und endet in unserer Geschichte, so wie auch Weihnachten 2001 in unserer Geschichte gefeiert wird.

Jedes Weihnachtsfest, das wir feiern hat so seine eigene Prägung, so wie unsere persönliche Geschichte unser Leben prägt: Das erstemal mit dem ersten Kind, das erstemal mit dem zweiten Enkel, das erstemal mit dem Partner, das letzte mal mit einem lieben Menschen. In diese Daten unserer persönlicher Geschichte, gehört das Geburtsdatum Jesu hinein, was immer es für den einzelnen bedeuten mag: eine rührselige Legende oder der Beginn einer neuen Orientierung.

Dieses Weihnachtsfest, am Beginn des neuen Jahrtausends steht unter den Eindrücken und Erfahrungen des 11. September und des 7. Oktober, dem Tag, als die USA zurückschlugen und damit begannen, das ärmste Land der Erde zu bombardieren. Vor allem in der Schule habe ich gespürt, wie sehr diese Ereignisse Menschen, Kinder aufgewühlt und verunsichert haben. Unsere Alltagsgewissheit von Sicherheit hat einen Bruch bekommen. Wir merken, wie abhängig wir sind , wie leicht bedroht und zerstört werden kann, was wir sicher glaubten. Wie brüchig unsere Häuser sind, wie ungewiss vieles.
Was soll die Friedensbotschaft von Weihnachten, in einer Welt der Barbarei, Was sollen wir den himmlischen Frieden an Weihnachten ausrufen, wenn alles in unsrer Welt nicht dazu passt, so oder so ähnlich werde ich oft gefragt?
Nun mit solchen Ängsten und Fragen feiern wir Weihnachten 2001, die Geburt Jesu.
Ich finde, wir haben sie bitter nötig, die Friedensbotschaft von Weihnachten. Weil unsere Welt so, wie sie ist, ist: friedlos, geteilt in arm und reich, voller schwarz-weiß-Denken, arm darin Menschlichkeit global zu denken, mächtiger Egoismus und Machtinstinkte geben die herrschende Tonart an.
Viele fragen nach Sinn, nach Erfüllung angesichts von abgrundtiefem Hass und zügelloser Grausamkeit.

Jesus ist in unsere Wirklichkeit geboren, er ist kein außerirdischer Heiliger, er kennt die Gesetze der Gewalt und des Abzockertums von Anfang an, als Kind in einer Krippe, das fern ab der Machtzentrale des Kaisers in Rom in der besetzten jüdischen Provinz in aller Armseligkeit das Licht der Welt erblickt.

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, den Menschen seines Wohlgefallens, steht als Verheißung über seiner Krippe und seinem Leben.

Und auch wenn schon oft gehört, bleiben seine Werte! Denkt doch endlich mal nach!:
Er setzte gegen Terror und Gewalt die Solidarität mit den Opfern, er stand für Barmherzigkeit und nicht für Beharren und Rechthaben, er sättigte Hungernde, sein Interesse galt den Armen und Rechtlosen, er war an der Seite der Leidenden und Trauernden, er wurde für seine Werte hingerichtet. Allerdings und daran möchte ich uns heute Abend erinnern, seine Lebensmaßstäbe Gerechtigkeit und das Gebot der Nächstenliebe sind nicht tot zu kriegen, Gott sei Dank! Sie sind das Elexier für ein menschliches Leben.
Er setzte gegen die römische Art für Frieden zu sorgen, nämlich mit militärischer Unterwerfung, den Glauben an einen Frieden, der den Menschen zu ihren Recht verhilft.
Was Jesus lebte ist eine Vision, ein Weg, der überzeugt in einer Welt in der vieles gleichgültig wird und wertlos und egal. Jesus lebte eine Hoffnung an der ich mich reiben kann, messen kann, mit der ich mich auseinandersetzen kann und die mir bei Entscheidungen hilft.

Für viele Menschen ist Gott nicht mehr greifbar, hat Gott kein Gesicht mehr, für viele hat Gott sich verflüchtigt, unkenntlich gemacht. Für mich hat Gott in diesem Kind, in diesem Mann ein Gesicht bekommen. An diesem Menschen wird mir etwas von Gott klar.
Die alten Meister haben das Krippenkind mit strahlendem Glanz auf ihren Bildern und mit ihrer Musik verehrt.
Mir hilft dieses Kind, der Maria geschickt und der als Mann das große Beispiel des Lebens und der Liebe wurde im Dickicht dieser Zeit.

Heute würde Jesus womöglich in Afghanistan geboren, es gibt kein ärmeres Land, das dazu noch so verwüstet ist. Auch da mussen die Menschen ihre Häuser und Dörfer verlassen aus Furcht vor Terror und Bomben, sagte ein Schüler, der eine moderne Weihnachtsgeschichte schrieb.

Dann phantasierte die Klasse: Die Könige von damals, das müssten heute Politiker sein, oder besser Kirchenführer, der Papst, der DaleiLama und Gandhi. Mir gefällt diese interreligiöse Runde, die nach Afghanistan zieht, die Menschlichkeit zu suchen, sie wertzuschätzen und sie mit Gaben zu unterstützen. Mir gefällt auch die darin versteckte und mitgemeinte Forderung nach Toleranz zwischen den Religionen.

Was die Toleranz betrifft, müsste sich das Christentum allerdings auch kritisch überprüfen. Wir ersehnen ein friedliches Weihnachtsfest weltweit und sind sehr frustriert, wenn die Waffen nicht schweigen. Unser Protest wegen der Nicht - Einstellung des Bombardements während des Ramadan, war aber eher verhalten.

Das ist mein weihnachtlicher Wunsch, dass nach den Bomben jetzt der Hunger aufhört und die Menschen wieder Dächer über die Köpfe bekommen und lachen können und die Frauen sichtbare Gesichter bekommen und Bildung, damit sie sich ein eigenes Leben aufbauen können.

Vielleicht fallen Ihnen noch andere Menschen von heute ein, die etwas mit den Königen gemeinsam haben:
Menschen, die etwas abgeben können, die von ganzem Herzen schenken können. Menschen, die Ihrer Herzens-Vernunft und Ihren Hoffnungen folgen und sich auf ihren Weg machen zu der wartenden Not, die weiß Gott nicht nur in Afghanistan, sondern auch vor unserer Haustür ist.

Der barmherzige Gott fordert, aber er überfordert uns nicht:
andern, die es brauchen zu helfen, das ist unsere Sache, das wertschätzende Achten auf meine Lieben, auf diejenigen, die unseren Alltag teilen, das ist unsere Sache,
aber dass uns dabei Kräfte zuwachsen und unsere Hoffnungen weitertragen, das ist Gottes Sache!

Die weihnachtliche Zusage:
Fürchtet euch nicht, denn euch ist heute der Heiland geboren.
Das meint uns in unserer schönen und gigantischen und gleichzeitig angstmachenden, gewalttätigen Welt.
Das meint uns, wenn wir sorgenvoll fragen, was war und was wohl kommen wird.
Fürchtet euch nicht, denn euch ist heute der Heiland geboren.
Das meint uns, wenn wir persönlich nicht wissen, wie es mit uns weitergeht und wir uns die Hoffnung nicht nehmen lassen wollen.
Fürchte dich nicht, das meint mich, wenn die Hand meines Lieben ganz nahe ist und wenn meine Kinder übermütig lachen,
Fürchte dich nicht, Gott hat menschliche, zarte, barmherzige Züge und darin ist er uns nahe. Amen

(Ruth Selzer-Breuninger)

 

Gebet:

Das Besondere dieser Nacht wollen wir festhalten.
In ihr berühren sich
Himmel und Erde
die grenzenlose sternenklare Weite
und das ganz einfache Menschliche
Gottes unvorstellbare Weite
und seine menschenfreundliche, nahe Seite.

Dir und mir wünsche ich
ein Stück Himmel im eigenen Leben,
das Gefühl von Überwältigung und Freiheit,
ein Herz voller Lust und Lebensfreude
mit Lachen und Ausgelassensein.

Dir und mir wünsche ich
den Glauben,
dass es Gott gut meint mit dir und mir
und mit der Erde,
zu der wir gehören
Ich wünsche dir ein Herz,
das weiss, dass es - gegen alle schlechte Gewohnheit -
Veränderungen geben kann in meinem Leben -
dass nichts so bleiben muss, wie es ist.

Ich wünsche dir den Glauben, dass es Wunder gibt
und dass sie in meinem Lebengeschehen.
und ein Herz das mutig sein Leben in die Hand nimmt
und Zukunft neu gestalten will.

Dir und mir
wünsche ich die Hoffnung,
die lebendig bleibt
in der Kälte unserer Zeit, -
die lebendig bleibt,
trotz meines ängstlichen, verkrampften Herzens
die lebendig bleibt,
wenn Resignation sich wie Mehltau
über mein Leben legt.

Denke an die Hoffnung,
wenn einer dein liebevoll angelegtes Beet
deine frischen Pflänzchen niedertrampelt.
Es gibt einen neuen Frühling,
der Strom des Lebens reisst nicht ab.

Vergiss die Liebe nicht,
die in deinem Herzen steckt,
wenn zu vieles dich kalt lässt
Du meinst sie ist fort, zerbrochen,
enttäuscht, gleichgültig, denke daran,
sie schlummert nur
Sie fordert dich auf, dich und die andern nicht
zu vergessen, die dich auch brauchen:
deine Lieben - natürlich
aber auch die Kinder der Armut
die gedemütigten Frauen
die Überlebenden der Katastrophen und Kriege
Menschen ohne Haus und Heimat

vergiss die Liebe in deinem Herzen nicht,
die dich beflügelt
mit Phantasie und Zärtlichkeit
auf deinem Weg zu den andern.

Was uns fehlt und was wir brauchen,
was uns wert und wichtig ist
was heute morgen
im zuendegehenden Jahrhundert geschehen soll
was wir erbitten und wonach wir uns sehnen
unser Verlangen nach Leben
unser Wunsch nach Sinn und Erfüllung
bringen wir vor Gott
eine Jede wie er / sie glaubt
und wir beten gemeinsam:

 

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