Jahr 2003

2003

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Plakat | Texte | Predigt

 

Plakat

Bild: Plakat "Gottesdienst in der Christnacht"

Plakatmotiv 2003

 

Texte

Göttliches lebendig werden lassen
Gefühle annehmen – Tiefe erleben
Veränderungen beginnen – Zuversicht ausstrahlen
Welch ein Leben in dieser Zeit
George Tisserand

Kennen Sie das auch ?
Dieses ewige Verlangen nach „paradiesischen Zuständen“ ?
... dass einem im Frühjahr endlich „die“ Frau oder „der“ Mann über den Weg läuft; im Sommer alles nur auch Wasser, Sonne und Strandleben besteht; im Herbst süße Trauben in den Mund wachsen und der Winter seinen Höhepunkt irgendwo in den Bergen bei Apres-Ski findet ?
... das für weniger Arbeit mehr Geld bezahlt wird, alle Krankheiten heilbar sind und die Rente sicher ist ?
... dass das Töten im Irak, Palästina, Israel, Angola und anderswo ein Ende findet, Hunger und Aids auf dem afrikanischen Kontinent unbekannte Stichworte werden ?

Kennen Sie das auch ?
Sehnsucht nach dem Paradies als Sehnsucht nach einer Gegenwelt ?
Eine wie die, in der Frodo, die Hauptfigur aus dem Werk J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ eine Heldengestalt dargestellt, die gegen das Böse kämpft und – obsiegt. Fantasygeschichten als Hoffnung auf bessere Zeiten und Welten. Dazwischen der Mensch, der sich als Enttäuschter oder Getäuschter nach Heimat und dem Garten Eden sehnt ?

Wo ist das eigentlich – das Paradies ?

Hier auf Erden, irgendwo zwischen Hergershausen und Lummerland ? Gibt es das Paradies, so wie es für einige die Hölle auf Erden zu geben scheint ? Wird es am Ende aller Tage bewohnt oder kann es gar nur besichtigt werden ? Wonach also streben, wenn nicht sowieso alles zufällt ?

Lassen Sie sich im Gottesdienst in der Christnacht auf diese Gedanken, auf die Musik und Worte ein. Feiern Sie die Geburt Jesu Christi, die Verheißung auf neues Leben, mit. Das besondere Licht, in dem zudem die Evangelische Dorfkirche und der Kirchgarten erstrahlen, wird in allen Sinnen Weihnachtliches anrühren.

Als besondere Gäste werden die Reisende Nadine Bennemann, der Meditationsanleiter Günter Hensel (Hainburg), der ZDF-Korrespondent Dietmar Schumann (in Jerusalem am Telefon) und der Lichtkünstler Gerd Meiswinkel (Darmstadt) erwartet.
Dabei, wie jedes Jahr, die Blues-Band mit Harz Gassen, Manfred Schulze, Gerald Jäger, Georg Weber und Christian Weinrich sowie Sonja Schulze am Piano.

Freuen wir und auf die Heilige Nacht !

 

Predigt

Neuschwanstein, Hohenschwangau und Linderhof hießen für König Ludwig II von Bayern seine Paradiese. Abseits vom ungeliebten Regieren flüchte er in der Welt seiner Schlösser, die er eigens für sich und seine Träume für fast unendliche Summen erbauen ließ. Dort zwischen Licht und Schatten, Kälte und Wärme der bayrischen Berge und in der Musik Richard Wagners fand er zwischen Trompetenklängen und mächtigen Klanginszenierungen, Trost für als Schreckliche und Nervige seines Lebens. In der gewollten Vereinsamung wurde er schließlich irre an der Welt und starb letztendlich eines mysteriösen Todes.

Sehnsucht nach dem Paradies bedeutet häufig, sich ein Paradies auf Erden schaffen zu wollen oder zu müssen. Da niemand weiß, was später kommt und nur wenige darauf warten möchten, legen viele es darauf an, jetzt für das eigene Paradies zu sorgen.

Das biblische Paradies wurde tatsächlich als Gebiet auf der Erde angenommen. Es wird im Quellgebiet zwischen Euphrat und Tigris, dem heutigen Irak, vermutet. Fruchtbar, klimatisch einzigartig gelegen, mit allem versehen, was Menschen für ihr Leben benötigen: Wasser, Wärme, Erde. Vo0rstellbar wie ein riesiger Garten, in dem alles blüht und treibt, zum Teil mehrfach im Jahr und in dem sich Tiere und Menschen ursprünglich bewegen.

Die uns bekannte Geschichte von der Vertreibung der Menschheit aus dem Paradies meint nicht anderes wie das unbeschwerte, glückliche Leben zu verlieren. Das, in dem im Grunde für alles gesorgt war. Warum haben wir es verloren?

Sehnsucht nach dem Paradies als Sehnsucht nach einer Gegenwelt? Beinhalten womöglich Fantasygeschichten Hoffnungen auf bessere Zeiten und Welten? Dazwischen der Mensch, der sich als Enttäuschter oder Getäuschter nach Heimat und dem Garten Eden sehnt?

Vielleicht sehen wir uns deshalb die Geschichten, Legenden und Märchen an, um auf unsere eigene Spur zu gelangen. Die Geburt Jesu Christi , die Menschwerdung Gottes führt, da bin ich sicher, als Spur auf dem Weg zu mir.

Hier in der altehrwürdigen Dorfkirche , in der bergenden Atmosphäre ist Gott mir nahe. Ganz nahe. Hier wird die Krippe zur Kuhle meines Herzens, wird der göttliche Gedanke in mein Leben geboren und zum Trieb für alle meine Sehnsüchte nach Heilsein und Heilwerden. Da wird die Kirche zur Höhle in Bethelehem, in die das Neue geboren wird und wo ich mich an alle meine Sehnsüchte erinnern darf. Ich brauche diese Gedanke und Gefühle.

Warum nicht daraus eine andere Welt kreieren, die dem Ursprung das alten Paradieses nahe kommt? Eine, die menschlich bleibt und nicht über Leichen geht. Für alle Menschen – weil wir uns alle gar nicht so unähnlich sind.
Vielmehr: Weil wir alle von dem einen Schöpfer abstammen.

Gott kommt als Kind in dieser Christnacht. Ein Kind ist das unbeschützteste Wesen. Nichts muss mehr behütet, geliebt und umsorgt werden – und irgendwann losgelassen.
Es ist ein paradiesisches Wesen; Bote , Engel einer göttlichen Welt. In ihm ist alles angelegt, was jeden später Persönlichkeit werden läßt. Das Paradies ist mit Händen zu halten. Es ist bei uns. Unter uns. Geschenkt.

Die Erinnerung an meine Kindheit habe ich immer dabei. Daran, wie ich war: kindlich, naiv, fröhlich, musikalisch, nach Worten suchend, nach Schutz, küssend, voller Ideen für alle Dinge, tastend, versuchend, schmeckend. Alles war da, selbst wenn es für die Großen nicht da schien. Und das Leben, die Ausbildung, die Karriere – kein Gedanke daran. Es galt nur der Tag und die Nacht. Natürlich gab es den Schmerz, das ständige „Nein“ der großen“ und das „Früher-ins-Bett-gehen“. Aber es war die Welt die unbegrenzten Pahntasie und damit : das Paradies.

Das alles kann ich nicht vergessen. Und zu Weihnachten spüre ich überall davon Spuren, Engelsspuren , in meinem Leben. Gott sei Dank.
Das Fest birgt die Sehnsucht nach dem heilenden Anfang in sich. Lassen wir zu. Das Paradies wächst neu in mir selbst und verändert alle Tage und Nächte: mich selbst zuallererst.

Also: Die Engel sagten: Euch ist heute der Heiland geboren. Heute. Nicht irgendwann. Heute, heute abend. Heute nacht. Und wenn sich mein Leben ändern soll, dann ab jetzt. Ist es nicht so? Amen.

 

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