Jahr 2004

2004

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Plakat | Texte | Predigt

 

Plakat

Plakatmotiv 2004

 

Texte

Nichts ist entschieden und nichts geht verloren,
solange Trost und Kraft reichen
und unsere Sehnsucht ungehemmt begehrt.
Gerhard Köpf

In Nächten geht es oft um die wesentlichen Dinge des Lebens.

Vieles wird intensiver erfahren und erlebt als am Tage: Gefühle tiefer, Worte deutlicher, Einschnitte dramatischer, Einsamkeiten verhängnisvoller...
Erfahrenes kann bleiern, Empfundenes befreiend wirken.
Wunder geschehen. Unsterblichkeit lockt. Ein Hauch von Ewigkeit.

Da liege ich in meinem Bett und das Leben, meine Arbeit, die Liebe, eine Reise gehen mir durch den Kopf: ich ahne, wie schnell alles vorbei sein kann. Es ist, wie wenn ein Wind übers Feld weht, den man festhalten möchte. Unmöglich, und doch: Zuweilen sind wir so empfindsam, diesen Hauch zu spüren. Das schier Unvergängliche. Etwas, das weder einen zeitlichen Anfang noch ein zeitliches Ende besitzt, das Gutes und Schlechtes gleichermaßen beinhaltet. Das aus dem Gestern kommt und heute ganz dicht bei uns ist. Meine Geschichte, deine Geschichte, die Geschichte der Welt.

Und nichts ist entschieden, aber auch nichts geht verloren...
Gottes Atem, sein Hauch, die hebräische Bibel nennt ihn Ruach, der, aus dem alles entstand, weht wie ein leichter Wind über die Welt.

Bleib doch mal stehen. Oder sitzen. Oder liegen.
Merkst du nicht, wie ein Hauch dich streift?
Merkst du es? Lass dir Zeit. Warte.
Warte.

Lassen Sie sich im Gottesdienst in der Christnacht auf diese Gedanken, auf die Musik und Worte ein. Feiern Sie die Geburt Jesu Christi, die Verheißung auf neues, unvergängliches Leben, mit. Das besondere Licht, in dem zudem die Evangelische Dorfkirche und der Kirchgarten erstrahlen, wird in allen Sinnen Weihnachtliches anrühren.

Besondere Gesprächsgäste sind die hessische Kultusministerin Karin Wolff; die Frisörin Erika Murmann und am Telefon in Bethlehem Dietmar Schumann. Wieder dabei sind die Blues-Band mit Harz Gassen, Gerald Jäger, Dieter Müller, Manfred Schulze und Georg Weber, Sonja Schulze am Piano sowie der katholische Chor St. Sebastian aus Eppertshausen.

Freuen wir uns auf die Heilige Nacht!

 

Predigt

Liebe Freundinnen und Freunde,

Weihnachten.
Ein Hauch von Ewigkeit.

Ein Anlaß, der alles, alles verändern kann, wenn ich die tiefgreifende Sehnsucht in mir nach dem wirklichen Weihnachten zulasse, wahr nehme, ernst nehme.

Das ist wie atmen. Ich lasse die Luft in mich einströmen und bemerke, dass ich eigentlich dazu nichts tun muß. Die Luft kommt ganz von selbst in mich, breitet sich aus, nimmt in mir Raum. Durchdringt alle Organe, geht von den Haarspitzen in die Fußzehen. Und strömt wieder aus meinem Körper hinaus. Ich gebe alles ab und mache mich leer und frei für neuen Atem.

Einen „Hauch von Ewigkeit“ unterstellen die Werbeleute Laura Biagiottis dem Parfum Roma.
Rom, die ewige Stadt, wird hier mit der Gestaltung der Flasche, des Parfums und dem Geruch selbst verbunden. Ein Duft, man muß ihn mögen, legt sich über alles wie ein unsichtbare Folie und umhüllt wie eine zweite Haut. Sie können dies am Ausgang testen, wenn Sie mögen.
Ein Hauch der Ewigkeit.

An Weihnachten ist er zu spüren – auf dem Weg vom gestern zum morgen. Die Erinnerung an Jesus Christi und die Hoffnung auf seine Botschaft, die Kraft gibt, zu tragen und zu verändern legt sich wie eine zweite Haut auf das Leben, haucht neuen Atem ein.

Ich war in den vergangenen vier Wochen krank. Hörte schlecht auf dem linken Ohr, es war wie in Watte gepackt. Meine Ärztin veranlaßte Hörtests, verordnete durchblutungsfördernde Medikamente, mahnte mehr Bewegung und Streßabbau an. All das dauerte. Nicht zum ersten Mal habe ich das erlebt! Immerhin: es war kein Hörsturz.

Ein Freund lud mich ein, mit ihm darüber nachzudenken, woher das alles kommen könnte, und wir begaben uns auf die Suche. Wir fanden heraus, dass es für mich belastende Lebenssituationen waren, die zu dieser psychosomatischen Erkrankung führten. Daran gilt es weiter zu arbeiten.

Ich spürte während der ganzen Zeit eine Art Wind im Ohr, der mich beunruhigte. Jetzt weiß ich: er tat mir von einem anderen Leben in mir kund. Er sagte mir: Achte auf das , was in dich dringt; sei sorgsam, sei behutsamer mit deinem Leben. Zunächst konnte ich das so nicht identifizieren.

Manchmal schließe ich die Tür; um für mich allein zu sein;
schließe die Augen, um Abstand zu gewinnen;
schließe die Ohren; um mich selbst hören;
schließe den Mund und stelle mich stumm.
Dann will ich warten, bevor ich antworte und bedenken, was mich beunruhigt und was zu tun ist.
Dann will ich wissen, wozu ich da bin.

Wozu ich da bin.
Nicht nutzlos. Nicht wertlos. Nicht ungeliebt. Nicht einsam. Dieses Jahr war für viele ein schweres Jahr. Manche Existenz ist bedroht, manch einer befürchtet sein Entlassung, eine andere hat eine schlechte gesundheitliche Perspektive, dort steht eine erneute Trennung ins Haus.

Aber: Allen Prognosen, allen Börsenspiegeln, allen Trends zum Trotz: Weihnachten ist nicht das Fest der sinnlosen Hoffnungen, es ist der Anlass, der alles, alles verändern kann.

Da staunen Sie? Überlegen Sie doch einmal, welchen Versprechen Sie sonst glauben und evt. gar davon das Leben abhängig machen? Zuweilen das ganze Leben – Ihrer Versicherung, Ihrem Auto, Ihrer Firma, Ihrer Bank

Nicht nutzlos: nützlich. Nicht wertlos: wertvoll. Nicht ungeliebt: geliebt. Nicht einsam: selbstbewußt. Um wieviel mehr sollte doch alles durch den anders werden können, der vor zweitausend Jahren schon ganz andere Dinge getan hat?

Der Wechsel der Perspektive ist es. Darauf kommt es an. Deshalb ist Weihnachten so wichtig. Der Blick wandert vom Großen aufs Kleine. Von den vielen Lichtern zu dem einen Licht. Vom Außen nach Innen.

Gottes Atem ist der Hauch der Ewigkeit, in uns hinein gehaucht, damit wir leben. Damit wir tragen. Damit wir lieben. Damit wir weinen. Damit wir kämpfen. Damit wir beten.

Nichts ist entschieden und nichts geht verloren, solange Kraft und Trost reichen und unsere Sehnsucht ungehemmt begehrt. Amen.

 

Heut Nacht

1. Weiß der Himmel, was passiert, wenn meine Seele brennt
Ich begreif, meine Sinne und mein Herz
Haben genug vom Grau
Wollen Grün, Rot, Gelb und Blau
Den Zauber des Anfangs erneut
Heut Nacht

2. Tief in mir sind die Farben des Lichtes
Wollen heraus aus dem inneren Verließ
Sehnsucht treibt sie voran
Dahin, wo alles begann
Den Zauber des Anfangs erneut
Heut Nacht

Text: W.H.Weinrich 9
Musik: Chris Rea

 

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