Jahr 2005

2005

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Plakat | Texte | Predigt

 

Plakat

Plakatmotiv 2005

 

Texte

Die Glocken läuten

Die Glocken läuten tief in das Herz hinein.

Bringen es mit den Klängen zum Schwingen.

Sie erinnern daran: Es ist Heilige Nacht!

Gott selbst hat den Menschen ein Geschenk gemacht.

Text: W.H. Weinrich

So ist das Leben

Momente in deinem Leben, einige zu viel, fühlst du dich völlig ratlos.
Weißt nicht, wovor du mehr Angst hast: vor dem Leben oder dir selbst.
Bist rastlos, ziellos, emotionslos.
Und die Kälte zieht dir vom Kopf über den Rücken bis in die Zehen.

So ist dein Leben. Es ist schon verdammt lange so.
Ist das das Leben? Wirklich das Leben? Glaubst du?

Siehst dein Gesicht im Spiegel. Dein Ich trifft dein Du und sagt Hallo. Wer ist der Kerl, der dir fremd ist?
Der zweifelt, mit all der Unruhe in sich?
Der schon so viel gesehen hat.
Und doch nicht vorangekommen ist. Zu sich. Gestartet und selten gelandet.

Leben wartet nicht , es vergeht einfach so.
Deine Zeit ist deine Zeit, bleibt deine Zeit.
Mit allem und mehr: der Furcht, der Hoffnung, dem Kampf, der Liebe.
Lass den Spiegel, wo er ist. Fang um Gottes Willen endlich an. Geh los…

Text: W.H.Weinrich

Predigt

Liebe Freundinnen und Freunde!

Als wir im vergangenen Jahr Weihnachten feierten, wussten wir nicht, was sich in den folgenden 365 Tagen bis zum diesjährigen Fest alles ereignen würde. Natürlich nicht!
Allenfalls ahnten wir einiges. Weil es sich abzeichnete, es drohte oder es wahr werden konnte.

Die TV-Sendungen und Journale haben in den vergangenen Wochen vieles zum Leben erweckt. Manchmal nochmals in aller Deutlichkeit uns vor Augen geführt. Jahreschroniken und Rückblicke überall und zuhauf. Ich möchte keine neue hinzuzufügen.

Es gibt aber auch die persönlichen Bilanzen. Und jeder und jede unter uns heute Abend hier wird sich selbst oder womöglich anderen darüber Rechenschaft ablegen.

Das war dein, das war mein Jahr 2005.

Vieles oder manches ist ganz anders geworden in diesen 12 Monaten, wurde Realität. Es wurde, was sich nur in den schlimmsten oder schönsten Träumen abzeichnete.
Vielleicht ist auch nichts geschehen, hat sich nichts verändert. Nichts von dem, was dringend der Veränderung bedurft hätte. Hoffungen haben sich zerschlagen, Lebensentwürfe sich in Luft aufgelöst.

Von manchen unter uns weiß ich, dass sie sich in diesem Jahr ganz besonders herausgefordert fühlen. Dass sie mit Ereignissen kämpfen, die sie nur schwer verwinden können. Sie fragen sich: Warum? Warum ich? Warum wir? Sie hadern mit Gott, dem Schicksal, dem Leben. Dieses Weihnachten kommt ihnen nicht gelegen. Am liebsten wären sie geflohen. Einige haben es getan. Sind weg. Spurlos verschunden. Andere, die geblieben sind, verkriechen sich. Bitte alles, nur kein Weihnachten.

Ihr seid heute gekommen. Manche sind „dennoch“ gekommen. Ich bin sicher, alle haben das persönliche und zuweilen schwere Jahresbilanzpaket mitgebracht. Und möchten es hier abgleichen. Vielleicht mit dem Gedanken, es besser einordnen zu können.

Zuweilen drückt dieses Paket mehr, als man zu Tragen imstande ist:
Die schier unerträgliche Chemotherapie,
das frühe lange Sterben des Ehemanns und Vaters,
die Trennung wie aus heiterem Himmel,
die Entlassung wider bessere Vernunft,
die einsetzende Leere nach der Verrentung,
der Verkehrsunfall der Freundin.

Wir haben heute Abend schon viel über Angst gehört.

Aber der Kern der Botschaft des Evangeliums ist: Fürchte dich nicht!
Bei allen Ängsten rings um uns; ob eingeredet, begründet, heraufbeschoren, absehbar oder irrational: Fürchte dich nicht.

Drei Worte, die nicht sagen: „Es wird schon, irgendwie“ oder „Das Leben geht weiter“ oder „Jetzt reiß dich mal zusammen“ oder „Alles wird gut“. Nicht immer kann alles gut werden.

Vielmehr: Drei Worte können bewirken, dass ich mich dem Leben und den Menschen neu zuwende.

Fürchte dich nicht! bedeutet: Überraschungen erwarten und Inseln im Meer entdecken. Inmitten aller Not zu glauben, weil Gott mich auf Hoffnung hin angelegt hat. Deshalb ist uns Jesus Christus zum Zeichen geworden.

Und wenn dies nicht für heute Nacht gilt, wann sonst?
Und wenn das nicht Kraft zum Leben gibt, was sonst?
Und wenn das nicht tröstet, wer sonst?

Fürchte dich nicht. Das sind göttliche Worte.
Sie haben die gleiche Wirkung wie wenn

Gut, dass es Weihnachten gibt. Weihnachten ist ein Fest gegen die Angst im Leben. Eigentlich ein Fest „für“ das Leben. Und damit die beste aller Möglichkeiten. Sind wir zusammen, werden wir stark: Im Gebet, wenn wir singen, wenn wir Kerzen anzünden und schweigen, wenn wir über uns nachdenken, wenn wir daran denken, wie es in der Nacht in Bethlehem war. Wir werden stark durch Jesus Christus, der uns hier zusammengebracht hat. Und der uns stark machen will, durchs Leben zu gehen.

Auch und gerade dann, wenn das Leben wie eine Welle über uns zu schwappen droht. Nicht alles gelingt uns, nicht immer behalten wir die Kraft, Dynamik und Stärke. Aber wenn wir sie einmal gespürt haben, wenn wir sie wirklich einmal gespürt haben, werden wir uns getragen fühlen. Womöglich durch das ganze Leben.

Zum Zeichen dafür stehen die Glocken, die uns an den besonderen Tagen unseres Lebens begleiten.

Fürchtet euch nicht! Amen.

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