Jahr 2012

2012

Seite drucken

 

Plakat | Texte | Predigt

 

Plakat

Plakat: Christnacht 2011 - Träum weiter
Plakatmotiv 2012

 

Texte & Lieder

WHW: Burnout oder Burnon, wo stehst du gerade?
ASW: Ich weiß es nicht so genau, aber wahrscheinlich bin ich näher am Burnout dran als du. Denn Erstens wird bei Frauen Burnout deutlich häufiger diagnostiziert als bei Männern.
Und Zweitens bin ich in dem Alter, in dem die Meisten ein Burnout trifft.
Mitte vierzig. Die Rushhour des Lebens hat ihre Spuren hinterlassen.
Der Beruf wurde zum x-ten Mal umstrukturiert.
Und privat: nach Hausbau, Kindererziehung, nun die zu pflegenden Eltern. Es gibt einfach keine Ruhe. Dann brennen viele Frauen aus.
WHW: Na, das betrifft nicht nur Frauen.
Männer haben aus ähnlichen Gründen damit zu kämpfen. Zuweilen aus dem Gedanken, auf keinen Fall etwas versäumen zu wollen. Der Druck steigt offenbar in bestimmten Jahren.
ASW: Nicht nur das Mittelalter. Auch Jugendliche leiden unter Burnout. Der zunehmende Leistungsdruck in den Schulen, nicht nur durch G8, führt dazu. Sie sind länger und häufiger krank als früher. Schlaf- und Essstörungen nehmen zu. Statistiken zeigen Sechs bis acht Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden unter Depressionen.
Und auch wer älter ist, ist nicht ausgenommen: die Suizidrate ist im Alter besonders hoch. Wer denkt, dass er nicht mehr gebraucht wird, verliert die Freude am Leben. Sieht keinen Sinn mehr.
Einfach ausgedrückt: Alle sind gefährdet.
WHW: Burnout betrifft also scheinbar alle. Zeitschriften, Bücher, Seminarangebote.
Ein ganzer Markt lebt davon.
Unser Gottesdienst hat allerdings den Titel: Burn on. Brenn wieder. Brenn weiter. Brenne für etwas, trotz der vielen Anforderungen, des Hamsterrades.
Brenne weiter, für dich, für das Leben. Oder lass dich anstecken. Heute Abend.
ASW: Weihnachten kann bedeuten: Eine Auszeit zuzulassen oder eine Auszeit zu nehmen. Aus dem Alltag zurück zu treten und mit Gelassenheit hinzu schauen, was täglich mit mir, mit dir, mit uns geschieht. Dabei oder danach sich neu auszurichten. Dem Leben zuzuwenden. Eben nicht dem Stress, der Macht, der Beliebigkeit, dem Anspruch gar, alles fertigen zu können.
Weihnachten feiern als Erinnerung an das, was mich trägt. Hoffentlich bereits mehr als einmal getragen hat. Oder auf das zu schauen, was es sein könnte, das mich trägt. Jenseits aller Anforderungen an mich in meinem Alltag.
WHW: Oh nein, dieser Gottesdienst gibt kein Allheilrezept. Es geht allerdings ums heil werden. Sie werden aus dem, was Sie hören, sehen, erleben auswählen, was Sie brauchen. Was Ihnen gut tut.
Was gut tut, das wächst uns zu. Durch Gottes guten Geist, der in Christus das Leben gewählt hat.
Lasst uns miteinander feiern, singen, beten, fröhlich sein. Trotz aller Traurigkeiten, die einige sicherlich auch mitgebracht haben. Und Sie haben Gründe dafür.
Und ja, es ist gut, dass Sie Ihre Traurigkeit mitgebracht haben, denn hier gehört sie hin.
Aber: Haben wir nicht trotz allem viel mehr Grund, zu feiern, dass wir leben?

Immer dieser Entscheidungszwang! Besonders vor Weihnachten. Ich wurde schier bombardiert mit Emails, die mir bis zur letzten Minute die besten Geschenke offerierten. Reisen, Spielzeug, Parfum, und nicht zu vergessen Technik. „Mit diesem Fernseher wird Weihnachten zum Fest.“ „ Mit diesem Fotoapparat das Fest für mich entschieden.“

Aber es war immer das Gleiche: Kaum hatte ich mich entschieden, ein Geschenk gekauft, kam die nächste Reklame. Mein Geschenk wurde noch ein bisschen billiger. Ich merkte jedes Mal, dass meine Entscheidung zu früh gefallen war. Ich hatte falsch entschieden.

Nicht nur in den Rabattschlachten vor Weihnachten bin ich beständiger Entscheidungsnot, sondern eigentlich immer im Leben. Auch bei dem ganz Alltäglichen.

Beim Stromanbieter kann ich zwischen 10 Anbietern, im Supermarkt zwischen mindestens 20 Gurkensorten wählen, die Vielzahl der Rotweine gar nicht gerechnet.
Bei der Schulfrage meines Kindes kann ich in Darmstadt zwischen „zig“ Schulen entscheiden.

Am Ende jeder Entscheidung steht häufig ein Resultat, dass sich selten als wirklich gut erweist. Jedes Mal - vom Kleinen bis zum Großen - taucht so die Frage auf: Habe ich das jetzt richtig gemacht?

Die Tragödie der fortwährenden Unzulänglichkeit gehört längst zu den ganz normalen Alltagserfahrungen. Nicht nur im Beruf oder in der Schule auch im Privaten fehlt die Komfortzone für meine Entscheidungen. Permanente Veränderungen, immer neue Entwicklungen und ständige Reformen und Anpassungen. Es fehlt mir die Sicherheit, ruhig und gelassen Dinge zu beschließen. Mich zu entscheiden.

Es gibt kaum noch Vorbilder und Muster, die helfen. Ich kann nicht fragen, wie haben meine Großmütter das damals gemacht oder meine Eltern. Ich kann mich nicht an meinen Lehrern orientieren, weil sich so vieles in kürzester Zeit verändert hat.
So viele neue Optionen und Möglichkeiten sind entstanden.
Das gilt auch für die Feste, auch für Weihnachten. Ich muss nicht mehr so feiern wie in meiner Kindheit. Ich kann frei meine eigenen Rituale finden. Das ist toll. Ich muss es aber auch, denn die alten Familienstrukturen gibt es nicht mehr. Oder dass alle Familienmitglieder in einem Dorf leben und man sich an Heiligabend besucht, ist ganz selten noch gegeben. Ich darf dinge neue erfinden.
Aber ich muss mich auch ständig neu erfinden.

Das strengt an. Uff. Selbst jetzt, wenn ich davon spreche. Ich merke, wie müde mich das macht.
Wie es mich ausbrennt.

Ich würde das gerne ändern, aber das schlimmste ist: Da alles, jede Entscheidung, sich nach kurzer Zeit als falsch herausstellen kann, vieles oft nur für kurze Zeit bestand hat, traue ich mich gar nicht mehr, so richtig für eine Sache zu brennen.
Es bleiben die Fragen:
Was ist eigentlich wichtig? Was trägt? Was hat Sinn, wenn doch morgen auch alles wieder anders sein könnte? Welche meiner Träume von heute sind auch die von morgen?

Der Rat „Höre auf dich selbst, höre auf deine Bedürfnisse“ verhallt, denn meine Ohren sind verstopft mit dem Fiepen eines Tinnitus, der sich nicht abstellen lässt.

Wenn ich mit mir achtsam sein soll, dann liegen mir die permanenten Entscheidungen so schwer im Magen, dass ich fast nicht merke, wann ich hungrig bin.

WHW: Und der Engel spricht: Fürchte dich nicht, denn dir ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus.

Gott ist Mensch geworden, um heil zu machen, was zerrissen ist. Gott ist in diese Welt gekommen, auf unsere Erde, um das Heil zu bringen. Für dich und für mich! Für die Menschen der ganzen Welt: Übersetzt fortgeführt: Für uns hier in Bessungen!

ASW: Zweitausend Jahre alt ist diese Botschaft des Engels. Fürchte dich nicht, sondern schau hin, was geschehen ist. Schau hin, wie nah Gott dir kommt.

Aus Liebe zu uns Menschen, aus Liebe zu mir gibt Gott sich selbst in diese Welt hinein, in meine Zerrissenheit, damit sie heil wird. Damit wir heil werden.

Unglaublich, kaum zu begreifen, kaum zu fassen.
Fürchte dich nicht. Das ist keine Eintagesbotschaft, sondern eine immer währende, beständige. Ich bleibe nicht in meinem Ausgebranntsein stecken, weil Gott mich trägt.
Dieses Tragen gibt mir die Gelassenheit für mein Leben. Aus dieser Geborgenheit in Gott kann ich wieder auf mein Leben blicken. Auf die Veränderungen, die waren und die kommen werden. Auf die schwierigen Momente, die ich schon bewältigt habe, und auch auf die, in denen meine Entscheidungen nicht richtig waren.

Die Zusage „Fürchte dich nicht!“ lässt mich dieses Jahr Weihnachten wieder spüren ….

Das lässt mich meine Träume und meine Ziele wieder entdecken.
„Fürchte dich nicht!“, das richtet mich neu aus. Das macht den Blick frei für das viele Schöne und Gute, das da ist.
Es lässt mich leben und wieder neu brennen.
Diese Zusage von Weihnachten befreit mich vom Druck des ständigen Müssen, Müssen, Müssen…
Es führt mich zum gelassenen Dürfen, zum Lauschen und zum Wahrnehmen, dessen, was mir gut tut.
„Fürchte dich nicht!“, bringt mich zu meinen Gefühlen. Öffnet ganz vertrauensvoll meine Sinne.
Es lässt mich wieder spüren, wie wundervoll das Leben trotz allem ist.
Mit meinen Gefühlen, mit mir wieder in Kontakt kommen, dass geht durch die alte Weihnachtsbotschaft oder durch Lieder und Musik. Durch Lieder, die den Kontakt in meine Tiefen herstellen und mich öffnen. Manchmal beim ersten Ton mich wieder entflammen.

Musik: What a wonderful World

Predigt Teil II
Ich möchte Ihnen eine kleine Hilfe an die Hand geben, Sie zu einem kleines Ritual ermutigen.
Sie erhalten am Ausgang eine kleine Streichholzschachtel und eine Kerze.
Nehmen Sie sich mit und legen Sie beides an einen alltäglichen Ort. Wenn Sie dort vorkommen, dann zünden Sie die Kerze an. Halten Sie einen Moment inne. Atmen Sie durch.
Schauen Sie in das Licht. Spüren Sie die Zusage Gottes: Fürchte dich nicht. Lassen Sie Bilder in sich aufsteigen, die Ihnen Kraft geben, die Sie brennen lassen, trotz der Kälte in der Welt. Spüren Sie, was Leben ist.
Pusten Sie die Kerze wieder aus. Leben Sie weiter. Nehmen Sie die Kraft mit in Ihr Leben. Gehen Sie Ihren Weg.
Sie können später auch mehrere Kerzen mitnehmen, wenn Sie mögen. Für sich selbst oder für einen anderen Menschen.

Musik: Geh deinen Weg

 

Predigt

Predigt

siehe Texte & Musik

nach oben