Jahr 2015

2015

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Plakat | Texte | Predigt

 

DURCHHALTEN 25 Jahre - was war warum? (Anja / whw)


Gottesdienst in der Christnacht
Darmstadt Jagdhofkeller 24.12.2015


Glockengeläut

ASW:

Wolfgang, dieses Jahr feierst Du zum 25. Mal Christnacht. Was war für Dich rückblickend bei diesem Gottesdienst wichtig?

WHW:

Anja, du bist hier im Jagdhof seit fünf Jahren dabei und hast vorher einige Christnächte in Hergershausen miterlebt. Warum bist du mit eingestiegen?

ASW:

Stille Nacht Helle auf der Treppe / Danny

Votum (WHW)
Im Namen des Vaters...

Durchhalten wozu? Anja

„Hinwerfen, ich möchte einfach alles hinwerfen. Ich habe so die Nase voll!“ Oder: „Das schaffe ich nicht mehr. Ich gebe jetzt auf.“

Gedanken, die dazu führen, schnell oder zu schnell aufzugeben. Manchmal mit ungewollten oder ungeliebten Folgen wie Resignation, Mutlosigkeit, Trauer.

Es geht heute ums Durchhalten. Gerade heute am Heiligen Abend. Und wo haben wir nicht schon alle selbst etwas durchgehalten, vielleicht außer an diesem Tag.

Zuweilen sind es die einfachen, alltäglichen Dinge, bei denen es schwer fällt, durchzuhalten. Die einem aber wichtig erscheinen. Stehen zu bleiben, wenn alle laufen; aufzumerken, wenn alle schweigen; zu tauchen, wenn alle schwimmen; zu vertrauen, wenn alle zweifeln.

Durchhalten. Immer? Auf jeden Fall? Und wenn ja, warum, oder wenn nein: Warum nicht? Durchhalten ist ein starkes Verb – es bedeutet für etwas eintreten, nicht aufgeben oder auch ausharren, aushalten, durchstehen, ein Wort mit Botschaft.

Im Grund eindeutig, aber in der Situation, zu überprüfen. Zu prüfen, ob sich das lohnt, das Durchhalten. In jedem Fall. In keinem Fall. Oder bedingt. Weil das Resultat möglicherweise wenig hilfreich ist. Weshalb haben wir das Durchhalten in diesem Jahr zum Thema gemacht? Gerade jetzt, wenn wir die Reihe der Christnacht beenden, dann sagen wir: durchhalten! Sind wir meschugge?

Das denken Sie nicht von uns. Vielmehr erwarten Sie sicherlich den einen oder anderen Impuls, der dazu verhilft, zu schauen, wie das geht mit dem Durchhalten und was wir dazu meinen.

Dazu und angesichts dessen, dass heute Heilig Abend ist. Der Tag, an dem Gott neu in die Welt kommt. Nicht, dass er nicht schon längst da wäre. Er kommt als Wiederholungstäter. Um uns wieder und wieder zu zeigen, wie er es mit seiner Schöpfung meint. Und mit seiner Liebe zu uns.

Er beginnt nochmals ganz im Kleinen. Irgendwo. In einer unbeherrschbaren Situation. Unterwegs zwischen dem Hier und dem Dort. Unbehaust. Seltsam unauffällig. Einfach. Berührend einfach. Mit viel Liebe, will ich meinen. Das ist überhaupt der Ursprung. Von allem. Mit der Liebe beginnt alles. Finden Sie nicht auch?

Lied:
Oh du fröhliche (Band /alle)

Gebet (Anja)

Wir beten:
Es ist dein Abend Gott,
die Nacht, in der du Mensch wirst.
Und wir sind hier,
um das zu miteinander feiern.
Wie bei einem guten Fest
sitzen wir hier zusammen und reden.
Reden ganz direkt zu dir und fragen dich:

Gott, bist du unser Halt
durch alle Geschehnisse hindurch?
Bist du unser Halt,
damit wir durchhalten können?
Hältst du uns aus,
auch dann, wenn wir aufgeben,
wenn wir schwankend werden
und es nicht schaffen?

Dieses Jahr war ein Jahr mit Terror-,
Gewaltakten und Umweltkatastrophen,
nicht enden wollenden
und neuen Kriegen.
Wir sind hin und her gerissen zwischen ja, wir schaffen das,
und unser Angst, dass wir Wichtiges und Wertvolles verlieren werden.

Bist du unser Halt, Gott?
Und werden wir dich entdecken,
wenn wir jetzt feiern?
Sei bei uns,
so spürbar wie der Schluck Wein,
den wir eben noch getrunken haben,
so hörbar wie die Weihnachtsgrüße,
die uns heute schon zugerufen wurden.

Lass dich entdecken,
jetzt und hier,
damit wir frohgemut werden.
Amen.

Gespräch (Hilma Dijkhuis-Schindling / WHW)

Friedrich Hebbel: Es gehört mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben

Triathlon entstand nach einer Wette: 2000 Ironman Hawaii – unterschiedliche Distanzen:
(mit Peter begonnen)
Was ist das Besondere am Triathlon?
Gehst du gerne an Grenzen? Was reizt dich daran?
Hält eine Frau eher durch als ein Mann?
Wann akzeptierst du, dass es nicht mehr weiter geht?
Was gibt dir Kraft?

Krankenschwester in der Dermatologie / Uniklinik Ffm

Du sagst, du arbeitest mit Leidenschaft?
Aus der Haut fahren – meine Haut, mein Körper und ich
Krebspatienten, der Umgang mit der Einsicht, nicht voranzukommen
Wann akzeptierst du das? Was / wer gibt dir Kraft?
Durch den Sport hast du Ausdauer?
Du bist religiös?

Irgendwo auf der Welt (Band / alle)
Lesung Hüsch (Anja)
Auf dem Weg zur Krippe

Ich habe mich auf den Weg gemacht:
Wie einer der Könige suchte ich
nach einem Lichtpunkt
am dunklen Himmel.
Wie einer der Hoffnungslosen suchte ich
nach einem Funken
Hoffnung in dieser Welt.
Wie einer aus der Verlorenheit suchte ich
ein Zuhause bei Gott.
Ich suchte Gott bei den Menschen
und fand
einen Blick, der mich verstand,
und fand
eine Hand, die mich suchte,
und fand
einen Arm, der mich umfasste,
und fand
einen Mund, der zu mir JA sagte.
Ich fand
Gott nach langem Suchen:
Sehr arm,
nicht mächtig,
nicht prächtig,
sehr bescheiden, alltäglich,
als Kind in der Krippe,
nackt, frierend, hilflos,
mit einem Lächeln durch die Zeiten;
das erreichte mich in meinen Dunkelheiten.
Gott fing ganz klein an -
auch bei mir.
Hans Dieter Hüsch

Lied: Engel / Gloria
Band / alle

Predigt (whw)

ich möchte Sie mit meiner Antwort nicht enttäuschen. Ich möchte nicht antworten: Jeder, jede muss für sich selbst entscheiden, wie das geht. Natürlich ist das so und es ist zeitgemäß, so zu antworten. Aber auch eine allgemein geltende Antwort sollte zu finden sein.

Gestatten sie mir deshalb für meine Antwort eine Ableitung des Wortes „Durchhalten“.

Ich sehe darin das Wort Haltung. Dies steht einerseits für die Gesinnung, die auf ein Ziel gerichtete Grundhaltung eines Menschen.
Es steht für eine gewisse Ruhe in schwierigen Situationen und für die Einstellung, die persönliche Meinung zu einer Angelegenheit.

Das Ganze geht einher mit der Körperhaltung. Und da ist gerade das Rückgrat bedeutsam. Im doppelten Sinn, Sie ahnen es. Habe ich nämlich eine falsche Haltung, eine sogenannte Fehlhaltung, ist das weder für den Körper noch für die Seele gut. Im Gegenteil. Diese Fehlhaltung führt zur Belastung weiterer Körperteile und zu Störungen am Bewegungsapparat (Beckenschiefstand, Rückenschmerzen, Knirschen der Zähne, Kopfschmerzen). Erkennen Sie etwas davon bei sich wieder?

Die andere Frage bleibt: Wie sieht es aus mit meinem Rückgrat? Gerade in Bezug auf dieses sind zwei Redewendungen entlarvend: „jemandem das Rückgrat brechen“ und „jemandem den Rücken stärken“. Will meinen: Der oder die Eine schafft, es durchzuhalten oder kann es eben nicht, weil die persönliche Traglast nicht mehr stimmt. Und das wird und bleibt natürlich Teil seiner oder ihrer Lebensgeschichte.

Ich wage zu behaupten, dass das einem Menschen anzusehen ist. Auch, weil er sich dementsprechend bewegt oder gedanklich unterwegs ist.

Es ist Gott, der dem Menschen Würde zueignet. Der den Menschen als Menschen, als ein Lebewesen mit Wert, das meint nämlich Würde, belegt. Er ist Gott ebenbildlich und hat eine besondere Vorrangstellung unter allen Geschöpfen. Es ist folgerichtig, dass sich der Mensch um die Problematik Klimaerwärmung des Planeten ebenso kümmern muss wie um die gerechten Lebensverhältnisse für eine jeden Einzelnen. Die Würde des Menschen, so glauben wir, ist gottgegeben und nicht verlierbar. Nicht bei einem geistig Verwirrten wie auch nicht bei einem, der Menschen absichtlich vom Leben zum Tode bringt. Das tut uns weh. Aber das glauben wir. Sie kommt jedem Menschen als solchem zu und ist unabhängig von Lebensumständen oder Verhalten.

Die Würde des Menschen bewirkt seine innere und äußere Haltung. Gott hat den Menschen gewürdigt, menschlich zu sein. Durch eine Geburt, diese Geburt, erinnert er ihn immer wieder daran. Natürlich könnte jeder, wenn er über die eigene Geburt nachdächte, auf gute Ideen kommen. Macht er zu wenig. Offenbar reicht es nicht. Es ist deshalb umso hilfreicher, mindestens einmal im Jahr durch die Geburt Jesu daran zu denken. Deshalb gibt es Weihnachten: alle 12 Monate die gleiche Erinnerung. Durchhalten schaffen wir ohne Erinnerung einfach nicht. Es braucht vielleicht auch die dazu gehörenden Traditionen. Etwas die, das auch gemeinsam zu würdigen.

Da kommt ein Mensch in die Welt. Ganz einfach. Geboren in Verhältnisse, wie sie zuhauf damals vorkamen. Tausendfach. Fluchtsituation. Mangelhafte Anerkennung. Nicht materiell abgesichert. Die Wertschöpfung geht gegen Null. Zur falschen Zeit am falschen Ort im falschen Land. Mit diesem Namen. Mutter vorhanden, Vater unklar. Alles in allem: Eigentlich nicht der Rede wert!
Kommt alles irgendwie bekannt vor. Und sie strömen auf uns ein: Die Bilder im Fernsehen, die Situationen in den Kriegsgebieten, die Boote auf dem Mittelmeer, die Menschen in Fluchtkolonnen, an Zäunen, in Lagern, in Kasernen. Hunderttausendfache Schicksale, 60 Millionen auf der Flucht. Und an die, die Kriege schüren und daran überdimensional daran verdienen. Die nicht ablassen, sich zu verkaufen an falsche Propheten und Ideologien und jene, denen Profit mehr wert ist als alles andere auf der Welt.
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Tatsächlich?
Wo doch? Warum sind die vielen Herabwürdigungen und shitstorms im Netz möglich, in Fußballarenen, bei Demonstrationen, vor Asylbewerberheimen oder einfach so im Büro gegen die unliebsame Kollegin?

Es braucht einfach die Erinnerung an diese Geburt. Und an das, was damit verbunden ist. Gottes Wille zur Würdigung allen Seins. Es braucht den Heiligen Abend. Es braucht keine Heilige Pforte und alles ist vergeben. Unsinn.

Es braucht vielmehr die Momente, in denen wir erkennen. wie wir gemeint sind. Wir alle. Jeder. Jede. Das meint, Durchhalten im Sinne Gottes. Er ist uns nahe. Und wir sind ihm, nahe. Übrigens: Natürlich sind wir auch uns nahe. Ganz nahe. Durch die Liebe.
Um es mit Hanns Dieter Hüsch zu sagen:

Ich setze auf die Liebe
Das ist das Thema
Den Hass aus der Welt zu entfernen
Bis wir bereit sind zu lernen
Dass Macht, Gewalt, Rache und Sieg
Nichts anderes bedeuten als ewiger Krieg
Auf Erden und dann auf den Sternen.

Ich setze auf die Liebe
Wenn Sturm mich in die Knie zwingt
Und Angst in meinen Schläfen buchstabiert
Ein dunkler Abend mir die Sinne trübt
Ein Freund im anderen Lager singt
Ein junger Mensch den Kopf verliert
Ein alter Mensch den Abschied übt.

Ich setze auf die Liebe
Das ist das Thema
Den Hass aus der Welt zu vertreiben
Ihn immer neu zu beschreiben.

Die einen sagen es läge am Geld
Die anderen sagen es wäre die Welt
Sie läg' in den falschen Händen
Jeder weiß besser woran es liegt
Doch es hat noch niemand den Hass besiegt
Ohne ihn selbst zu beenden.

Es kann mir sagen was es will
Es kann mir singen wie er's meint
Und mir erklären was er muss
Und mir begründen wie er's braucht
Ich setzte auf die Liebe! Schluss!

Lied: Halleluja (Band / alle)

Lesung der Weihnachtsgeschichte Lukas 2

Kollekte (Anja)

Kanon: Te deum (Band / alle)

Gebet / Vater unser (Anja / whw)

Gott, du kommst uns an Heiligabend ganz nah.
Jedes Jahr neu, egal, ob wir durch gehalten haben oder nicht.
Egal, ob wir eine Haltung gefunden haben,
eine die stimmig ist, für unsere Überzeugungen, für unseren Körper und für unsere Seele.
Du bist da und richtest uns auf,
richtest uns aus für das kommende Jahr.

Wir bitten dich für uns:
Sei unser Halt, dass wir klar reden und handeln,
so dass auch wir anderen zum Halt werden können.
Sei unsere Orientierung, damit wir zu einer Haltung finden,
zu den Dingen, zu den Menschen, zu unseren Zielen.
Wir bitten dich für alle, die jetzt im Moment, nach Lösungen für Frieden hier oder da suchen. Die verhandeln, verhandeln, verhandeln.
Wir bitten dich für alle in der Flüchtlingsarbeit Ehrenamtlichen tätigen und engagierten,
gib Ihnen Kraft für ihr Tun, den klaren Blick für die Möglichkeiten und Grenzen im Alltag.
Und wenn wir gebraucht werden,
dann lass uns ja sagen
zu den neuen Aufgaben
und sie übernehmen,
im Kleinen wie im Großen.
Wir bitten dich für alle Traurigen,
lass sie heute Nacht den Lichtschimmer sehen in ihrem Land der Tränen,
den Blick, der ihre Mauern aus Hoffnungslosigkeit einreißt.
Und alles, was uns auf dem Herzen liegt, legen wir hinein die Worte, die uns Jesus Christus gegeben hat.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Lied:
Imagine (Band / alle)

Dank

Lied:
Bleib bei uns (Band / alle)
Segen (Anja)

Ich will Euch den Segen geben,
für eure Tag- und Nachtzeiten,
für eure Lebenszeiten von Anfang bis Ende.
Und ihr, die ihr das hört und erfahrt,
werdet zu Segensträgern.
Ihr werdet die Gerechtigkeit aufblühen lassen
zum Schutz des Friedens
und Gottes Schöpfung –
denn ihr selber steht
unter Gottes Schutz
Hanns Dieter Hüsch

Gott segne dich und behüte dich,
Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

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