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Mit Weihnachtsbräuchen „hineinspielen“ in ein Stück heile Welt

© gettyimages, lightfliedstudiosWeihnachtsbaum schmückenDer Weihnachtsbaum erinnert symbolisch an den Paradiesbaum, die roten Kugeln an die Früchte

In die Dunkelheit der Krisen dieser Welt leuchtet das Weihnachtsfest. Henriette Crüwell, die Pröpstin für Rheinhessen und Nassauer Land, erlebt Weihnachten als „ein Stück heile Welt in einer alles andere als einfachen Zeit.“  Dabei regen viele Bräuche viele Familien dazu an, sich hineinzuspielen in Gottes neue Welt, in der Menschen in Frieden und Gerechtigkeit leben.

© Farideh FotografieHenriette CrüwellFreut sich riesig auf Weihnachten: Henriette Crüwell, die evangelische Pröpstin für die Region Rheinhessen und Nassauer Land

Der Glanz der Lichter und die Weihnachtslieder aus dem Radio signalisieren: Bald ist Weihnachten. Aber wie passt die Botschaft, dass die Geburt Jesu „Frieden auf Erden bei den Menschen“ bringt, zur Lage in der Welt 2022? „Ein Blick aus dem Fenster auf die Bäume reicht schon, um zu sehen, wie es ums Klima bestellt ist. Jugendliche mahnen uns auf der Straße. Politiker diskutieren und finden oft nur schmale Kompromisse“, nimmt auch Henriette Crüwell, evangelische Pröpstin für Rheinhessen und Nassauer Land, wahr. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen habe sie in diesem Jahr noch mehr als in allen Jahren zuvor das Bedürfnis, es an Weihnachten besonders schön zu machen.

„Gott wohnt jetzt schon in jedem guten Wort“

In ihrer Weihnachtspredigt wird sie zeigen, was Weihnachten für sie bedeutet: „Es ist ein Stück heile Welt in einer alles andere als einfache Zeit.“ Für Pröpstin Crüwell ist es die Gelegenheit, alles mal in einem anderen Licht zu sehen: „Es ist das Licht einer Welt, in der alles heil ist.“ In diesem Licht der Erlösung würden Wölfe neben Lämmern wohnen und aus Wüsten Gärten werden. Dabei gehe es allerdings nicht um sentimentalen Selbstbetrug, sondern um eine andere Perspektive mit Wandlungspotential: „In diesem Licht kann eben alles anders sein.  Auch wir.“ Schließlich verdeutlicht sie: „Gott wohnt jetzt schon in jedem guten Wort, in jeder Liebesgeste, in jedem aufmerksamen Blick und in jedem Bemühen, es schön zu machen.“

Tür zum Paradies öffnet sich wieder

Viele Weihnachtsbräuche laden dazu ein, sich „hineinspielen in diese neue Welt, in der alles heil und gut ist, und wir in Gerechtigkeit und Frieden miteinander leben“, ermutigt die evangelische Theologin. Viele Bräuche wurzeln in den Paradiesspielen des Mittelalters, die ursprünglich am 24. Dezember aufgeführt worden sind. Der Grund war: Gott hatte Adam und Eva aus dem Paradies verbannt, da sie von der verbotenen Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und des Bösen gegessen hatte (1. Mose 3). Dann wurde Jesus, der Sohn Gottes, geboren. „Seinetwegen öffnet Gott wieder die Tür zum Paradies, die hinter ihnen, dem ersten Menschenpaar, ins Schloss gefallen war“, erklärt Pröpstin Crüwell die christliche Vorstellung.

Innere Haltung

Mit den Christsternen, den Kerzen und dem Tannengrün würden unsere Wohnungen „alle Jahre wieder wenigstens ein bisschen zum Paradiesgarten und wir zu den Menschen, die dort miteinander leben.“ Aber auch an Weihnachten kann der alte Reflex Evas aufflammen, nach etwas zu greifen, um die Sehnsucht nach Glück in uns zu stillen. Pröpstin Crüwell unterstreicht: „Das Paradies können wir Menschen uns nicht selber machen. Wir landen höchstens in einem Schlaraffenland, wenn wir es doch versuchen. Und glücklich wird im Schlaraffenland niemand. Denn unsere eigentliche Sehnsucht bleibt da unerfüllt.“ Die Tür lasse sich nur von innen öffnen, „von jenem, der allein unsere Sehnsucht nach Heil und Frieden und Glück wirklich stillen kann. Und der um uns weiß und wie es um unser Menschenherz bestellt ist. Deswegen legt er uns doch das Kind in die armselige Futterkrippe“, so Pröpstin Crüwell.

Anregungen für Weihnachts-Rituale

Diese Weihnachtsbräuche laden dazu ein, sich spielerisch hineinzubegeben in die heile und friedliche Welt Gottes:  

Weihnachtszimmer verschließen

In vielen Familien gibt es traditionellerweise ein Weihnachtszimmer, dessen Tür schon Tage vorher zugeschlossen wird. Sogar das Schlüsselloch ist verhängt. Das Weihnachtszimmer mit seiner verschlossenen Pforte ist ein Sinnbild des Paradieses, nach dem wir uns ebenso sehnen wie Adam und Eva, weil wir nicht ohne weiteres hineindürfen. (Mose 3,6). Und die Kinder lassen nichts unversucht, um doch heimlich hineinzuschauen, weil die Vorfreude so groß ist, dass sie es kaum aushalten, bis das Christkind von drinnen mit seinem Glöckchen klingelt, sich die Tür öffnet und endlich Weihnachten ist.
Wenn das längere Verschließen beispielsweise wegen einer Wohnküche nicht möglich ist, lässt sich der Baum auch gemeinsam schmücken und die Kinder können kurz vor dem Anzünden des Weihnachtsbaumes gebeten werden, außerhalb des Zimmers ein paar Minuten zu warten.

Weihnachtsbaum aufstellen

Im übertragenen Sinn wird in dem Weihnachtszimmer eine Art moderner Paradiesgarten gestaltet. Auf die Idee, am Heiligen Abend symbolisch den Paradiesbaum ins Zimmer zu holen, sind evangelische Christ:innen um 1600 in Straßburg gekommen. Der Brauch wurzelt in mittelalterlichen Paradiesspielen am Heiligen Abend, wobei zu den Requisiten auch ein Paradiesbaum gehörte. Dieser Paradiesbaum entwickelte sich zum Weihnachtsbaum.
Inzwischen gibt es auch nachhaltige Angebote für Weihnachtsbäume. 
mehr über den Weihnachtsbaum

Weihnachtsbaum schmücken – mit rote Kugeln, Strohsternen und Vögeln

Was ist mir wichtig? Welcher Weihnachtsbaumschmuck symbolisiert das? Das Schmücken des Weihnachtsbaumes kann zu einer meditativen Erfahrung werden. Rote Kugeln symbolisieren Äpfel, bzw. an die Früchte des Garten Edens. Gott hatte den ersten Menschen erlaubt, von allen Früchten zu essen, mit Ausnahme von denen des Baumes der Erkenntnis. Die Strohsterne erinnern laut Pröpstin Crüwell an Hostien in den Kirchen, also die Oblaten für das Abendmahl, durch das nach evangelischem Verständnis die besondere Beziehung zwischen Menschen und Gott wiederhergestellt wird. Baumschmuck wie Vögel aus Glas beziehen sich auf die Vorstellung über das Reich Gottes, das Jesus mit einem Baum beschreibt, in dessen Zweigen „die Vögel des Himmels wohnten.“ (Lukas 13,19).

Gemeinsam den Weihnachtsgottesdienst besuchen

Dick angezogen geht es für viele in den Weihnachtsgottesdienst vor Ort, andere schauen ihn sich im Fernsehen oder Internet an. Die festliche Atmosphäre eines Weihnachtsgottesdienstes ist etwas ganz Besonderes, auch in diesem Jahr wird verlässlich die Geschichte von Jesu Geburt (Lukas 2) im Mittelpunkt stehen. Das gemeinsame Singen der Lieder, die Vorfreude in den Augen der Gottesdienstbesucher:innen und die phantastische Botschaft – Gott kommt als kleines Kind auf diese Erde – berühren viele Menschen. In engagiert eingeübten Krippenspielen wird die Botschaft neu vor Augen geführt. Und manche fassen den Vorsatz, dieses Gefühl des Friedens auch nach Weihnachten in den Alltag zu tragen.
zu den Weihnachtsgottesdiensten

Licht des Weihnachtsbaumes anzünden

Wieder zu Hause angekommen, kann sich ein Elternteil hinter einer eventuell verschlossenen Tür dem Anzünden des Weihnachtsbaumes widmen. Wenn in Ruhe die Wachskerzen angezündet oder erwartungsvoll die LED-Kerzen angeschaltet werden, lädt das zu einem kleinen, besinnlichen Moment ein. Das Licht symbolisiert vor allem in der dunklen Jahreszeit das Hoffnungsvolle, das Positive, das in das Leben der Menschen einziehen kann. Zudem ist nach evangelischer Vorstellung das Licht mit Jesus Christus, dem Licht der Welt, verbunden. Es steht für Nächstenliebe und Verantwortung füreinander.

Glöckchen-Signal und Weihnachtszimmer öffnen

Ein Eltern- oder Großelternteil kann das Glöckchen läuten. Es kündigt an, dass das Christkind da war und die Geschenke gebracht hat. In dem Moment kann das Weihnachtszimmer aufgeschlossen werden – wie die Tür des Paradieses lässt sie sich nur von innen öffnen. Damit wird symbolisiert, dass Christus das Paradies wieder für die Menschen geöffnet hat. Das heißt, die unmittelbare Verbindung zu Gott ist wieder möglich, wenn wir sie zulassen. Wer vor dem Weihnachtszimmer steht, ist eingeladen, kurz inne zu halten und sich zu fragen: „Wonach sehne ich mich tief im Herzen wirklich? Worauf freue ich mich?“
Beim Eintreten sehen zum ersten Mal alle den in Licht getauchten Weihnachtsbaum.

Weihnachtsessen, gemeinsames Singen und Bescherung

Da für ein Weihnachtsfest einiges vorzubereiten ist, darf das Menü am Heiligen Abend reduziert ausfallen: Kartoffelsalat mit Würstchen oder Fisch sind der Klassiker. Wenn einige Familienmitglieder gerne singen oder Instrumente spielen können, wobei das Anfängerniveau ausreichend ist, können die Lieblingsweihnachtslieder zum Besten gegeben werden. Und dann endlich: die Bescherung.

Sich gegenseitig beschenken

Geschenke können nach christlichem Verständnis die Wertschätzung für einen anderen Menschen ausdrücken. Wir sind aufgerufen, uns einzufühlen: Was könnte ihr oder ihm Freude bereiten? Das muss keinesfalls im Konsumwahn enden – es kann auch ein Zeitgeschenk oder etwas Selbstgestaltetes sein. Die Geschenke erinnern daran, dass die drei Weisen aus dem Morgenland den neugeborenen Jesus mit Gold, Weihrauch und Myrrhe beschenkt haben. Zudem hat Gott die Menschen mit der Geburt Jesu beschenkt, die Frieden und das Aufgehobensein in der Verbindung mit Gott symbolisiert. So entstand während der Reformation die Vorstellung, dass das Christkind die Geschenke bringt. Ein weiterer Gabenbringer ist der Weihnachtsmann, in den Vorstellungen über Nikolaus von Myra, Knecht Ruprecht und aus der Werbeindustrie einfließen.

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Gott hat uns nicht gegeben
den Geist der Furcht,
sondern der Kraft und der Liebe
und der Besonnenheit.

(2. Timotheus 1,7)

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